Komitee zur Verhinderung weiterer Zerstörungen von Altertümern auf dem Tempelberg

(übersetzt durch HW Kessler)

 

1. Das Komitee zur Verhinderung weiterer Zerstörungen von Altertümern auf dem Tempelberg ist eine parteipolitisch ungebundende Vereinigung von Menschen verschiedenster Berufe. Archäologen, Juristen, Lehrer, Naturwissenschaftler und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben sich in dem Komitee zusammengeschlossen um weitere Zerstörungen von Altertümern auf dem Tempelberg zu verhindern.

2. Mit großer Sorge sehen wir die bedrohliche Situation und die Untätigkeit dieser und auch der vorigen israelischen Regierung die archäologischen Schätze des Tempelberges vor Zerstörungen zu schützen. Die momentane Lage ist unhaltbar und bedarf sofortigen Eingreifens. Am Vorabend des Wochenfestes wurde diesbezüglich bereits eine Erklärung von 140 prominenten Israelis aus Kultur und Politik in der Presse veröffentlicht.

3. Die Tatsachen auf die sich unser Aufruf bezieht, basieren a) auf Erkenntnissen durch einen Besuch des Tempelberges, insbesondere der Areale die von den Bauarbeiten betroffen sind und b) Gespräche mit den Verantwortlichen verschiedener Behörden und Ministerien, die sich mit dem Tempelberg befassen. Der Besuch auf dem Tempelberg kam trotz der massiven Versuche der Waqf* jede Annährung und insbesondere bildliche Darstellung der Zerstörungen zu verhindern zustande.

4. Mitglieder des Komitees haben sich unter anderem mit dem Minister für Innere Sicherheit, Herrn Schlomo Ben-Ami, mit dem Minister für die Angelegenheiten Jerusalems, Herrn Chaim Ramon, mit dem Oberbürgermeister Jerusalems, dem Direktor der Denkmalschutzbehörde und dem Chef der Jerusalemer Polizei getroffen. Außerdem trafen sich Mitglieder des Komitees mit Vertretern verschiedener Regierungseinrichtungen, die mit dem Tempelberg aus sicherheitspolitischer, juristischer und anderer Perspektive befaßt sind.

5. In diesen Gesprächen verstärkte sich unser Eindruck, daß auf dem Tempelberg ein skandalöser Umgang mit Altertümern betrieben wird. Wie schon seit längerem bekannt, werden dort archäologische Denkmale von unschätzbarem Wert bis zum heutigen Tag schwer beschädigt und teilweise völlig vernichtet.

6. Wir waren schockiert und sind überaus besorgt darüber, daß keiner der Regierungsvertreter, die wir trafen, die tatsächlichen Pläne der Waqf kennt. Kein israelischer Beamter hat bisher Einsicht in die Pläne bekommen und sich mit den Details der Bauarbeiten auf dem Tempelberggelände befassen können. Die Dimensionen dieser Bauarbeiten sind gewaltig, ein Gebiet von 15 000 Quadratmetern im östlichen Teil des Berges ist in eine riesige Baustelle verwandelt worden. Diese erstreckt sich über 250 Meter entlang der Ostmauer des Tempelberges von den Ställen Salomons bis hin zum Goldenen Tor.

7. Es ist ein skandalöser Akt der Waqf eine generelle Genehmigung zur Ausführung von Bauarbeiten zu erteilen, ohne die genauen Ausmaße dieser Arbeiten überhaupt zu kennen. Solch Verhalten zeugt von völliger Ignoranz bezüglich des archäologischen, kulturellen und historischen Wertes des Tempelbergs. Dieser Platz, dessen Boden unschätzbare Zeugnisse der Vergangenheit birgt, ist eines der wichtigsten archäologischen Denkmale der gesamten Menschheit und von größter Bedeutung für unser Volk. Kein Mensch der den Wert dieses Berges begreift, kann die unwiderrufliche Zerstörung der Altertümer dort dulden.

8. Entgegen seiner Erklärung vor dem israelischen Parlament zu Beginn dieses Jahres hat der Minister für Innere Sicherheit bisher nichts getan, um die Tore des Tempelberges für schweres Baugerät zu schließen. Nichts ist geschehen, um den Abtransport von Erdaushub, voll mit unersetzlichen Zeugnissen der Vergangenheit, zu stoppen und dem ständigen Strom von Baumaterialen, Pflastersteine und Zement Einhalt zu gebieten.

9. Wir fordern deshalb vom Premierminister Israels:

- Die sofortige Öffnung des gesamten Tempelbergs für eine gründliche und fortgesetzte Untersuchung durch israelische und internationale Pressevertreter. Bisher ist Medienvertretern der Zugang zu den fraglichen Bereichen stets untersagt worden, was eine unglaubliche und unrechtmäßige Verletzung der Presse- und Informationsfreiheit darstellt. Dadurch erhoffen wir uns, das es der Waqf nicht länger möglich sein wird, ihre Verbrechen an den archäologischen Schätzen des Tempelberges vor den Augen der zivilisierten Welt zu verbergen.

- Die Einsetzung eines Inspektors der Behörde für Altertümer, der täglich den gesamten Berg inspiziert und so unmittelbar jedwege Gefährdung und Verletzung der Altertümer auf dem Tempelberg publik machen kann.

- Den Inspektoren der Behörde für Altertümer jederzeit den Zugang zu allen Bereichen des Tempelberges zu sichern, so wie das bei allen anderen archäologischen Denkmalen im Land Israel der Fall ist.

- Letztlich muß die Behörde für Altertümer künftig im voraus über sämtliche Pläne der Waqf informiert werden, die eine potentielle Bedrohung der archäologischen Substanz des Berges darstellen. Vor der Genehmigung solcher Plänen muß künftig die Behörde für Altertümer gehört werden, um weitere Zerstörungen zu verhindern.

10. Das Komitee zur Verhinderung weiterer Zerstörungen von Altertümern auf dem Tempelberg sieht die Zustände auf dem Berg nicht als politische Affäre an. Die Fakten sind eindeutig und die breite Unterstützung, die unsere Initiative durch Menschen aus den verschiedensten Schichten der Gesellschaft erfährt, zeigt die Bedeutung unseres Kampfes. Der Aufruf des Komitees wird von Parlamentariern quer durch die Parteienlandschaft unterstützt. Von der linken Meretz Partei, über Ein Israel, bis hin zu Likud und Nationaler Einheit reichte die Liste der Abgeordneten, die auf die Aufruf unseres Komitees mit anfragen in der Knesset reagierten.

Wir rufen deshalb alle Verantwortlichen auf, nicht länger nach den Schuldigen der Vergangenheit zu suchen, sondern endlich zu handeln, um der verheerenden Situation ein Ende zu bereiten und weitere Schäden in Zukunft zu verhindern.

* die Waqf ist eine islamische Treuhänderin, der Israel die Regelung der Alltagsgeschäfte des Tempelberges 1967 übertragen hat.